Branchensplitter aus Dresden und Würzburg 2020


Von:  Bundesverband - Dr. Albert Bill / 15.09.2020 / 08:54 / 3 Tag(e)


Mit den beiden Veranstaltungen „Schadentalk“ und den „Würzburger Karosserie- und Schadenstagen“ haben vom Donnerstag bis Samstag vergangener Woche alle Betriebe der Kfz-, Karosserie- und Fahrzeuglackierbranche umfassend die Möglichkeiten erhalten, sich über den aktuellen Stand des Branchengeschehens zu informieren und die Herausforderungen und Perspektiven, die den Reparaturmarkt Deutschland aktuell kennzeichnen und in Zukunft kennzeichnen werden z.T. in sehr deutlichen Formulierungen präsentiert bekommen. Als Beobachter aus der Ferne haben sich beim Verfasser dieser Zeilen einige Begriffe und Informationen aus den Informationsangeboten besonders eingeprägt:


  • Der Markt ist kleiner geworden und wird auch vermutlich nicht nur wegen Corona an die Zahlen im Geschäftsjahr 2019 nicht wieder anschließen können. Es besteht aber die berechtigte Hoffnung, dass der Anteil der gesteuerten Schäden auch in einem schrumpfenden Markt steigen wird.

  • „Wenn wir zu wenig zahlen - arbeitet kein Betrieb mit uns“ - bedeutet im Umkehrschluss - die Stundenverrechnungssätze der Partnerbetriebe sind angemessen. "Das ewige Wiederholen der Stundenverrechnungssatz-Diskussionen bringt uns nicht weiter. Der Markt wird das regeln".
     
  • Im Zusammenhang mit der Fragestellung, wie entwickelt sich das Reparaturvolumen vor dem Hintergrund zunehmender Assistenzsysteme und dem angestrebten autonomen Fahren, wurde in allen Veranstaltungen auch mehrfach die vom GDV erarbeitete interdiziplinäre Studie: "Automatisiertes Fahren – Auswirkungen auf den Schadenaufwand bis 2035“, zitiert.

    Die deutsche Versicherungswirtschaft rechnet demnach für die kommenden Jahre nur mit einem überschaubaren Effekt autonom fahrender Autos auf ihr Geschäft. Die Zahl der Unfälle werde zwar sinken - aber zugleich würden einzelne Reparaturen teurer, wenn in den Fahrzeugen komplexere Technik steckt. Zugleich hätten Assistenzsysteme grundsätzlich keinen Einfluss auf Schäden wie Steinschlag oder Hagel.

    Je nach Verbreitungsgeschwindigkeit der Systeme in den Fahrzeugen und im Einsatz auf der Straße errechneten die Experten des GDV bis 2035, bezogen auf das Jahr 2015, eine Verringerung des Schadenaufwandes durch Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen inkl. der Reparaturaufwendungen durch die neuen Systeme:

    in der Kfz-Versicherung minus 6,6 % bis minus 15,2%, in der Kfz-Haftpflichtversicherung minus 9,3% bis minus 20,0% und in der Kaskoversicherung minus 2,8% bis minus 7,8% (Quelle GDV). All denen, die die 15-seitige GDV-Studie noch nicht gelesen haben, sei empfohlen diese unter https://www.gdv.de/resource/blob/8282/c3877649604eaf9ac4483464abf5305d/download-der-studie-data.pdf herunterzuladen und die Ergebnisse bei zukünftigen unternehmerischen Entscheidungen mit in Betracht zu ziehen.

Speziell für die Fahrzeuglackierer ist seit mehr als einem Jahr zu beobachten, dass man sich seitens der Automobil- aber auch der Lackindustrie mit dem Thema Reparaturlackierungen im Bereich von Radaren und Lidaren sehr schwer tut. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, wird der Fahrzeuglackierer derzeit bei diesem Thema noch weitgehend mit der großen Problematik, die bei den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen von BMW eindrucksvoll dargestellt wurde, alleingelassen. Da hilft der BMW-Katalog auch nur bedingt weiter. Und so ist es mehr als folgerichtig, dass BFL-Präsident Paul Kehle in Würzburg von Automobilherstellern und der Lackindustrie gefordert hat, den Fahrzeuglackierern ein für die Reparaturlackierung von Radar-und Lidarsystemen zertifiziertes und freigegebenes Lacksystem in den allen benötigten Autofarben zur Verfügung zu stellen. Es kann nicht sein, dass der Lackierer für nicht vorhandene Herstellerinformationen oder fehlendes und ungeeignetes Lackmaterial (diese Bezeichnung darf man wohl verwenden, wenn man die Ausführungen in Würzburg aufmerksam verfolgt hat) am Ende in die Haftung geht, wenn es durch Beeinträchtigungen von Radaren und Lidaren zu Unfällen kommt.

Wir werden uns sehr bemühen zu diesem wichtigen Thema bis zum Lackierertag 2021 weitere Antworten geben zu können und sind schon heute sehr gespannt, wie sich die Automobil- und Lackhersteller in dieser Angelegenheit positionieren werden.

Die Hausaufgaben sind in Würzburg verteilt worden.

 

 


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